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Arbeitswelt 4.0: „So kann ich mein Unternehmen auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten“

Arbeitswelt 4.0: „So kann ich mein Unternehmen auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten“

Es war die Hannovermesse 2011, zu der der Begriff Industrie 4.0 an die Öffentlichkeit getragen wurde. Dies benannte eine Entwicklung, die sich bereits über einen längeren Zeitraum abzeichnete – die voranschreitende Digitalisierung. Diese industrielle Revolution wird nicht nur auf technologischer Ebene tiefgreifende Änderungen bewirken. Sie besitzt Einfluss auf gesamte Branchen, verändert Unternehmen und auch den Arbeitsmarkt. Heute trägt diese von rasch voranschreitenden Veränderungen geprägte Unternehmenskultur den Begriff Arbeitswelt 4.0. Unternehmen müssen im Hinblick auf diese Entwicklung nicht nur innovativ reagieren, sondern einen vorausschauenden Blick dafür entwickeln. So weit, so gut, doch wie lässt sich eine solche Mammutaufgabe bewältigen?

So stellst Du Dein Unternehmen auf die Veränderungen durch Digitalisierung ein

  • Innovationskompetenz der Mitarbeiter erkennen: Um mit den Veränderungen der Digitalisierung in der Arbeitswelt Schritt zu halten, bedarf es der richtigen MitarbeiterInnovationskompetenz spielt dabei eine große Rolle. Du benötigst Menschen mit einem Gespür für Branchenneuheiten und -entwicklungen. Solche, die bereit sind, Wagnisse einzugehen, sich an Veränderungen anzupassen und diese umzusetzen. Diese vorausschauend denkenden Mitarbeiter allein sind jedoch noch nicht der Schlüssel zum Erfolg. Setze auf eine vielschichtige Belegschaft. Erfahrungen, unterschiedliche Lebensläufe und Perspektiven sind es, die zusammen eine gut funktionierende Struktur ergeben, was uns direkt zum nächsten Punkt führt.

  • Kommunikation und Transparenz verbessern: Die Bereitschaft, Innovation zu betreiben und zu fördern, funktioniert nur auf der Grundlage transparenter Kommunikation. Für Dich in einer Führungsposition bedeutet das natürlich, dass Du mit gutem Beispiel voran gehst. So lässt sich Wissensaustausch als Teil der Unternehmenskultur etablieren. Führungskräfte müssen nicht nur auf die Digitalisierung, sondern auch auf die Ansprüche ihrer Belegschaft reagieren. Das in der Arbeitswelt fortschreitende Bedürfnis nach dezentralen Arbeitsformen ist ein Beispiel dafür. Dabei gilt es, einen wichtigen Faktor zu beachten: Nicht alle Mitarbeiter stehen der Digitalisierung aufgeschlossen gegenüber. Nimm diese Problematik ernst, indem Du Deine Mitarbeiter unterstützt, mit den Veränderungen umzugehen. Workshops, aktiver Austausch und unternehmensspezifische Weiterbildungen – leiste Überzeugungsarbeit. So vermeidest Du gleichzeitig eine Kluft zwischen der jungen, digital versierten Mitarbeitergeneration und dem älteren Mitarbeiterstamm. Dein Unternehmen sollte keine Ansammlung von nach außen abgeschotteten Abteilungen sein. Schaffe ein umfassendes, transparentes Netzwerk mit offenen Übergängen. Dazu gehören beispielsweise wechselnde Teams und Projekte sowie flache Hierarchien. Das bedeutet nicht, Führungspositionen abzuschaffen. Vielmehr ändert sich deren Charakter. Führungskräfte sind Experten, dienen als Vorbild und sind Ansprechpartner, sind mehr Coach als Chef. Zu dieser Position gehört auch die Bereitschaft, Aufgaben zu delegieren. Als Führungskraft bleibst Du trotzdem für weitreichende strategische Entscheidungen zuständig, gibst Strukturen und Richtungen der Arbeitswelt vor. Du unterstützt das transparente Wissensmanagement Deines Unternehmens. Hast Du dieses Grundgerüst zur Kommunikation geschaffen, bist Du fit für den nächsten Schritt.

  • Regelmäßiger Dialog mit Deinen Kunden und Geschäftspartnern: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Kunden und Geschäftspartnern und dem digitalen Wandel. Daher ist es wichtig, sich besonders bei Kunden stets über deren Bedürfnisse im Klaren zu sein. Damit lassen sich neue und innovative Konzepte entwickeln, die digitale Entwicklung und Kundenbedürfnisse in Einklang bringen. Den Dialog erreichst Du auf verschiedene Weise. Er hängt von Faktoren wie Deiner Branchenzugehörigkeit, der angebotenen Dienstleistung und Unternehmensart ab. Denkbar sind beispielsweise Firmenevents, Datenerhebungen (bsp. Verbrauchertrends) oder Feedbackinstrumente.Zum Dialog gehört auch, Branchenneuheiten gegenüber aufgeschlossen zu sein und sich an technologische Innovationen anzupassen. Hierbei kommt es wiederum darauf an, dass Deine Mitarbeiter und die Führungsebene dies in Vorbildfunktion mittragen.

Strategie für die Arbeitswelt 4.0

Wenn Du die drei genannten Punkte berücksichtigst, stellst Du Dich richtig auf die Arbeitswelt 4.0 ein. Hier kommt es darauf an, aktiv auf die Veränderungen durch die Digitalisierung zu reagieren. Dazu gehört eine transparente und kommunikative Unternehmensstruktur, die sich aus vielschichtigen Mitarbeitern zusammensetzt. In dieser ermutigst und förderst Du Innovation und übst eine offene Vorbildfunktion aus.

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Arbeitswelt 4.0 – Handfeste Tipps für Recruiter und Unternehmen

Arbeitswelt 4.0 – Handfeste Tipps für Recruiter und Unternehmen

Zweimal in der Woche fährt Kai nach der Arbeit mit dem Bus zur Uni, um eine Vorlesung zum Thema Wirtschaftsmathematik zu hören und sich weiterzubilden. Auf dem Weg surft er zur Unterhaltung auf seinem Smartphone. In den letzten Wochen bleibt sein Blick häufiger bei den Stellenanzeigen hängen, denn er wünscht sich einen Arbeitgeber, der sein Interesse an stetiger Weiterbildung teilt und honoriert. Damit ist Kai nicht allein – ob auf dem Weg zur Arbeit, zum Sport oder während anderer Wartezeiten: Über 60% der Stellensuchenden nutzen das Smartphone zur mobilen Stellensuche. Mit den folgenden Tipps steigen Deine Chancen, die Aufmerksamkeit von Kai und allen anderen, die schon in der Arbeitswelt 4.0 angekommen sind, auf Dein Unternehmen zu lenken.

Tipp 1.0 – Der Frischekick für Ihre Karriereseite

Die Digitalisierung in Richtung “Arbeitswelt 4.0” macht auch vor den Mitarbeitern keinen Halt. Nicht nur junge Arbeitsuchende, auch wechselwillige Fachkräfte nutzen in erster Linie das Internet, um sich über potentielle Arbeitgeber zu informieren. Für Unternehmen bedeutet das, dass die Karriereseite auf der eigenen Website leicht und schnell zu finden sein muss. Ist der Link bei bislang eher tief in der Navigation vergraben, solltest Du mit dem Entstauben anfangen. Auf der Karriereseite informiert sich der Kandidat über Dein Unternehmen, von daher müssen gerade hier die Vorzüge des Unternehmens ins rechte Licht gerückt werden. Die Selbstdarstellung darf nur nicht so stark ausufern, dass die aktuell offenen Positionen in den Hintergrund geraten –  denn diese sind das Herzstück der Karriereseite.

Tipp 2.0 – “Responsive Design” ist mehr als ein Modewort

Jobsuchende nutzen in der Arbeitswelt 4.0 jede Stand- und Wegezeit, um von neuen Jobangeboten zu erfahren und recherchieren auch gleich die Firmen, die dahinter stehen. Wenn die Firmenwebsite aber nur am PC richtig funktioniert und die Nutzung auf dem Smartphone eine Qual ist – dann sind potentielle Bewerber schnell verloren. Die Zeit am heimischen PC ist zu kostbar, um sie mit Recherche zu verbringen. Hier schreibt der Arbeitsuchende seine Bewerbungen und ist froh, nach getaner Arbeit zu entspannen. Daher ist es wichtig, responsive Design einzusetzen. Nur so kommt die Website auch im ruckelnden Zugabteil noch optimal zur Geltung.

Tipp 3.0 – Die Mobile Bewerbung verschafft Vorsprung

Praktisch alle Job-Interessierten betreiben ihre Jagd nach dem neuen Arbeitsplatz online und von unterwegs. Mit dem Handy surfen sie auf der Karriereseite und durchstöbern die angebotenen Stellen. Bietet man ihnen gleich hier die Möglichkeit, sich zu bewerben, dann hebt man sich von der breiten Masse der noch nicht in der Arbeitswelt 4.0 angekommenen Unternehmen positiv ab und erhöht die Chance, Bewerbungen zu erhalten. Mache es besser als all jene Firmen, die sich darauf verlassen, dass ein Kandidat sich Stunden später noch an sie erinnert, wenn er endlich am heimischen PC angekommen ist. Die Kandidaten, die sich schon mobil beworben haben, bekommen diese Unternehmen gar nicht erst zu sehen.

Tipp 4.0 – Netzwerken und Markenbotschafter aussenden

Die Arbeitswelt 4.0 bringt neue Technologien, neue Kommunikationskanäle und veränderte Bewerbererwartungen. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, ändert sich auch das Jobprofil des Recruiters. Anstatt als Rausschmeißer zu agieren und Bewerbungs-Anschreiben auf DIN-Konformität zu prüfen, sind heute Social-Media-Kompetenz und Networking-Skills gefragt. Auf Karriereplattformen und Communities agiert der Recruiter als Markenbotschafter des Unternehmens und motiviert bestehende Mitarbeiter, es in ihren eigenen Foren gleichzutun. Designer, IT-Spezialisten und Produktentwickler haben ihre eigene Sprache und ihre eigenen Netzwerke. Ein geschickter Recruiter nutzt diese Spezialisten als Markenbotschafter in jeder Nische.

Zusammenfassung: Recruiting in der Arbeitswelt 4.0 ist emotional und digital

Während die Digitalisierung der Arbeitswelt 4.0 noch munter voranschreitet, sind die Bewerber schon längst in der digitalen Welt angekommen. Von unterwegs und zu Hause nutzen sie alle Kanäle, um einen attraktiven Arbeitsplatz zu finden, der ihren modernen Ansprüchen gerecht wird. Mit unseren Tipps erweiterst Du geschickt Dein Netzwerk und nutzt alle digitalen Kanäle zur Gänze aus.

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Arbeitswelt 4.0 | Welche Werte möchten wir morgen leben?

Arbeitswelt 4.0 | Welche Werte möchten wir morgen leben?

Nicht nur die Arbeitswelt ändert sich aufgrund der Digitalisierung, sondern auch die Ansprüche und Bedürfnisse hinsichtlich der Lebens- und Arbeitsumgebung. Eine Arbeit auszuführen, nur weil sie die Miete und den Lebensstandard sichert, ist von vielen nicht mehr akzeptiert. Vielmehr werden Werte & Ideale, die die Vereinbarkeit mit dem Privatleben sichern UND als sinnstiftend empfunden werden, immer wichtiger. Derzeit ist lediglich ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland zufrieden mit der ausgeübten Tätigkeit. Allerdings gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen über das Idealbild der Arbeit in der Zukunft, da das Empfinden stark auseinander strebt. Was dem einen als perfekt erscheint, ist dem anderen ein Graus.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat hierzu eine interessante Studie durchgeführt, die einen aktuellen „Wasserstand“ misst (vgl. Wertewelten Arbeiten 4.0, 2016). Hierbei wurde auf Basis von Befragungen und Interviews von 1200 repräsentativ ausgewählten Personen zum Thema „Arbeit in Deutschland“ eine Analyse erstellt, wie das Umfeld früherer Zeiten war, was heute empfunden wird und wie wir uns die Zukunft unserer Arbeitsumgebung wünschen und vorstellen.

Von damals bis heute

Seit den 50/60er-Jahren hat sich zwar die Lebensqualität (auch subjektiv empfunden) deutlich verbessert – allerdings weicht die Qualität der Arbeit hiervon deutlich ab. Als erfüllend und positiv bewertet wird hierbei beispielsweise Selbstentfaltung, Gestaltungsraum, Gemeinwohl und Leistung. Als negative Gegenpole sind Misswirtschaft, soziale Kälte, Existenzkampf oder purer Materialismus genannt worden. Auffällig ist, dass einige dieser Werte sehr nahe beieinander liegen, aber in ihren Ausrichtungen den Unterschied ausmachen.

Die empfundene Wahrheit ist, dass wir heute in einer sehr viel instabileren Arbeitswelt unsere Brötchen verdienen müssen, während das damalige Gefühl von Sicherheit und Beständigkeit geprägt war. Es herrscht derzeit eine gesellschaftliche Situation vor, die durch Druck, Risiko und Spaltung der Gesellschaft, aber gleichermaßen auch auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet ist.

Die Zukunft

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft sieht verhalten aus. Die Erwartungsspanne hinsichtlich des Eintritts von Idealbedingungen reicht von „könnte möglicherweise erreicht werden“ bis hin zu „wird erreicht werden“. Begriffe und Werte mit denen wir die Zukunft verbinden, lassen sich in sieben Wertewelten untergliedern, die die Grundpfeiler der Vorstellungen der Befragten darlegen.

  1. Sorgenfrei von der Arbeit leben können

Ein Drittel der Befragten gab an, dass dies für sie in der idealen Arbeitswelt die Abwesenheit von Druck und Zukunftsängsten bedeutet. Gleichermaßen ist dies die Sicherheit, dass man selbst oder die Familie ohne größere materielle Sorgen leben kann.

  1. In einer starken Solidargemeinschaft arbeiten

Diese Aussage wird besonders wichtig, da viele Menschen heutzutage durch das Raster fallen und beispielsweise nur noch den Mindestlohnsektor als Alternative haben. Die Wunschvorstellung ist durch Teilhabe, Wertschätzung und Loyalität geprägt.

  1. Den Wohlstand hart erarbeiten

Hiermit ist nicht nur der materielle Besitz gemeint (nicht jeder ist ein Opportunist). Es geht auch um die Möglichkeiten, sich Lebensqualität verdienen zu können und die Rahmenbedingungen dafür zur Verfügung gestellt zu bekommen.

  1. Engagiert Höchstleistungen erzielen

Dieser Punkt umfasst beispielsweise Aussagen zur Übernahme von Verantwortung, und der Bereitschaft, hohe Leistungen zu erbringen. Auch Herausforderungen anzunehmen und zu meistern spielen eine große Rolle.

  1. Sich in der Arbeit selbst verwirklichen

Arbeitswelt4.0 Selbstverwirklichung in der Arbeit

Im Zeichen von Gestaltungsspielraum steht diese Wertewelt dafür, dass man sich spannende Themengebiete erhofft, die Gesellschaft somit zu bereichern oder flexible Arbeitsmöglichkeiten nutzen zu können.

  1. Balance zwischen Arbeit und Leben finden

Wichtig für diese Wertewelt sind Aussagen wie etwa, dass sich das System dem Menschen anpassen sollteund nicht umgekehrt. Auch die Grundeinstellung spielt eine Rolle – sodass man auch mit gewissen Prinzipien diesen weiterhin treu bleiben, und diese nicht auf Kosten der materiellen Sicherheit opfern muss.

  1. Sinn außerhalb seiner Arbeitswelt suchen

Sinnstiftung, gemeinnützige und selbstlose gesellschaftliche Beteiligung oder auch die eigenen, nicht unbedingt berufsbezogenen, Ziele und Entfaltungsmöglichkeiten sind Aussagen über diesen künftigen erwünschten Zustand.

Kurze Zusammenfassung

Alles in allem stehen der Mensch mit seinen Bedürfnissen in der Arbeitswelt und die Flexibilität der Arbeitswelt (Unternehmen, Politik, Menschen) im Mittelpunkt. Die Diversität der Interessen ist allerdings denkbar verschieden – sodass nicht jeder für die gleichen Werte einsteht. Insofern gibt es nicht DIE ultimative Lösung, sondern Wege, um Voraussetzungen für eine Arbeitswelt zu schaffen, die möglichst viele Menschen inkludiert.

(Quelle: https://www.arbeitenviernull.de/mitmachen/wertewelten/studie-wertewelten.html, zuletzt aufgerufen am 1. August 2017)

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Die Bedeutung der Inklusion in der heutigen Arbeitswelt

Die Bedeutung der Inklusion in der heutigen Arbeitswelt

Definition des Begriffs Inklusion:

“Als soziologischer Begriff beschreibt das Konzept der Inklusion eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen.“
(Vollständige Erläuterung)

Zahlen und Daten zur Beschäftigung von Arbeitnehmern mit Schwerbehinderung in Deutschland

Laut der REHADAT-Statistik gab es im Jahr 2015 in Deutschland 156.306 beschäftigungspflichtige Arbeitgeber. Beschäftigungspflichtiger Arbeitgeber zu sein bedeutet, dass man sich an die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl an Beschäftigten mit Schwerbehinderung halten muss. Ab 20 Mitarbeitern gilt es, 5% der Arbeitsplätze mit Menschen mit Schwerbehinderung zu besetzen. Bis auf 40.127 Arbeitgeber haben diese Vorgabe alle erfüllt. Von Arbeitgebern, welche dem nur teilweise oder gar nicht gerecht werden, wird ein Schwerbehindertenausgleich verlangt.

Schwerbehindertenausgleich

Berechnet wird dieser wie folgt: Liegt der Arbeitgeber mit seiner Beschäftigungsquote von Schwerbehinderten zwischen 3-5%, zahlt er pro nicht besetzten Arbeitsplatz 115 EUR Schwerbehindertenausgleich. Bei einer Quote von 2-3% wird ein Ausgleich von 200 EUR pro Arbeitsplatz fällig, bei einer Quote unter 2% 290 EUR. Zu einer solchen Zahlung sind im Jahr 2015 93.893 Arbeitgeber aufgefordert worden. Hier sehen wir, dass unter den Arbeitgebern, welche zwar bereits Schwerbehinderte bei sich im Unternehmen beschäftigen, trotzdem viele noch unter den vorgegeben 5% liegen.

Hier sehen wir, dass unter den Arbeitgebern, welche zwar bereits Schwerbehinderte bei sich im Unternehmen beschäftigen, trotzdem viele noch unter den vorgegeben 5% liegen.

Leider ist Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Behinderung. Im Vergleich ging in den letzten Jahren die Zahl der Arbeitslosen bei nicht-schwerbehinderten stärker zurück, als die der Schwerbehinderten.

Welche Möglichkeiten gibt es für Schwerbehinderte auf dem Arbeitsmarkt?

Aktuell sind ca. 290.000 Schwerbehinderte in Behindertenwerkstätten tätig. Solche Werkstätten dienen der Integration in die Arbeitswelt. Dort wird Arbeit und Bildung angeboten, vornehmlich für verschiedene Handwerkliche Bereiche, wie zum Beispiel die Gärtnerei, die Kunststoffverarbeitung oder die KFZ-Technik. Bestimmt finden dort viele einen geeigneten Beruf, der ihnen Freude bereitet. Jedoch wird Behindertenwerkstätten nachgesagt, dass es sehr schwer sein soll, sie wieder zu verlassen und von den Sprung vom 2. Arbeitsmarkt auf den 1. zu schaffen, da viele der Berufsausbildungen nicht anerkannt sind.Leider ist auch die Bezahlung nicht immer ausreichend (zumindest wird kein Mindestlohn gezahlt), sodass viele Schwerbehinderte nach wie vor von Zuschüssen abhängig sind und Ihr Leben eben nicht frei gestalten können, ohne in finanzielle Not zu gelangen.

Die Bedeutung der Inklusion in der heutigen Arbeitswelt
Die Bedeutung der Inklusion in der heutigen Arbeitswelt

Integrationsbetriebe, in denen zur Zeit ca. 20.000 Menschen mit Behinderung tätig sind, bieten da eine bessere Option. Es gibt aktuell fast 650 solcher Betriebe in Deutschland. Hier ist das Zahlenverhältnis zwischen Menschen mit und solchen ohne Behinderung beinahe ausgeglichen – ca. 25-50%. Förderung und Weiterbildung sind feste Bestandteile der Maßnahmen. Integrationsbetriebe stellen besonders für Menschen aus Werkstätten eine Brücke in den 1. Arbeitsmarkt dar. Finanziell werden solche Integrationsbetriebe vom Staat unterstützt. Sie erhalten einen Anteil an der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe.

Warum halten immer noch so viele Betriebe die Quoten nicht ein?

In erster Linie liegt es daran, dass Vorurteile gegenüber den Schwerbehinderten existieren. Es stimmt, dass ein Mensch mit Schwerbehinderung immer in irgendeiner Form beeinträchtigt ist. Aber wie auch bei gesunden Menschen hat jeder seine Stärken und Schwächen und sucht sich im besten Fall einen Job, in dem seine Stärken gefordert werden. Genau wie jemand, der kein Blut sehen kann, sich nicht im Krankenhaus bewirbt, wird sich ein blinder Mensch nicht als Busfahrer bei der BVG bewerben. Egal ob mit oder ohne Behinderung, jeder hat seine Grenzen und das ist schlicht und einfach menschlich. Leider wird dies in vielen Fällen nicht gut genug durchdacht, sodass Betrieben der Auffassung sind, dass Menschen mit Schwerbehinderung weniger belastbar und nicht so leistungsfähig sind, wie Menschen ohne Behinderung.

Es sollte nicht diskutiert werden, ob eine Bilanzbuchhalterin im Rollstuhl besser oder schlechter ist, als eine ohne Rollstuhl, solange sie fachlich auf dem selben Niveau sind. Ebensowenig stellt sich die Frage der Verantwortlichkeit bezüglich eines barrierefreien Arbeitsplatzes. Nicht die Rollstuhlfahrerin behindert, sondern sie wird durch die fehlende Rampe oder den nicht existenten Fahrstuhl behindert.
Tatsächlich können viele Betriebe keine Schwerbehinderten bei sich beschäftigen, da es an entsprechender Vorrichtungen mangelt. 
Eine weitere Hürde stellen die teils hohen Bearbeitungszeiten bei bei Ämtern und Behörden dar.  Ehe bestimmte Bescheinigungen und Anträge beim Amt durch sind, vergehen Monate. Die dadurch entstandene zeitliche Verzögerung trägt unter anderem dazu bei, dass Fristen nicht eingehalten werden können und  Schwerbehinderte länger arbeitslos sind, als Menschen ohne Behinderung.

Dazu kommt noch der Umgang untereinander. Kollegen könnten den Kontakt scheuen, da sie befürchten in eine unangenehme Situation zu gelangen. Zum Beispiel dann, wenn man dem blinden Kollegen als Antwort auf eine Frage zunickt oder zur Begrüßung die Hand hinhält.  Aber warum existiert diese Scheue? Warum ist es für uns nicht normal, mit Schwerbehinderten zu interagieren? Warum schauen wir länger und häufiger jemanden hinterher, wenn seine Behinderung offensichtlich ist?
Wir sind es schlicht nicht gewohnt, da wir bereits im Kindesalter getrennt werden. Kinder mit Behinderung kommen auf eine Sonderschule. Von klein auf lernen wir also nicht, miteinander umzugehen, uns zu organisieren und gegenseitig zu respektieren, wie wir sind. An dieser Stelle ein “hoch” auf die immer präsentere Inklusion an Schulen und Kindergärten!

Mut zu mehr Inklusion!

Gerade Integrationsbetriebe zeigen, dass es möglich ist, Menschen mit verschiedenen körperlichen und geistigen Voraussetzungen, Stärken und Schwächen gemeinsam in einem Unternehmen zu beschäftigen. Auch in Betrieben, welche keine Integrationsbetriebe sind, stellt man fest, dass die Beschäftigung eines Menschen mit Schwerbehinderung eine sehr positive Auswirkung mit sich bringt. Vorurteile und Ängste werden abgebaut. Die Kollegen tauschen sich aus und setzen sich mit der Behinderung auseinander. Die Qualität der Arbeit hat ein hohes Niveau und die neuen Kollegen sind auch sehr motiviert. Denn eine Schwerbehinderung bedeutet nicht, dass ein Mangel an Intelligenz und Fleiß vorliegt. Unter den Arbeitslosen in Deutschland haben gerade die Arbeitslosen mit Schwerbehinderung deutlich höhere Abschlüsse als Arbeitslose ohne Behinderung. Auch die Befürchtung, dass Schwerbehinderte häufiger krank sein würden, kann an dieser Stelle zurückgewiesen werden, denn es wurde beobachtet, dass sich ihr Gesundheitszustand sogar verbessert!

Als Arbeitgeber kannst Du hierbei nicht verlieren. Du gewinnst tolle und interessante Persönlichkeiten für Dein Team, welche Dir durch ihre persönlichen Erfahrungen noch mal eine ganz andere Sichtweise und neue Ideen zu bestimmte Themen mitbringen.

Hast Du bereits Erfahrungen mit Kollegen mit Schwerbehinderungen machen dürfen? Bist Du vielleicht selbst der Mitarbeiter / die Mitarbeiterin mit Schwerbehinderung? Lass uns gern daran teilhaben und berichte von Deinen Erlebnissen.

Links zum Thema:

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Behinderte/Tabellen/GeschlechtBehinderung.html

https://www.rehadat-statistik.de/de/berufliche-teilhabe/Beschaeftigung/BA_Schwerbehindertenstatistik/index.html

https://www.paychex.de/news-liste/die-schwerbehindertenausgleichsabgabe.html

http://www.juraforum.de/lexikon/beschaeftigungspflicht

http://www.inklumat.de/glossar/integrationsbetriebe